Der Zug

„Der ZUG“

Musiktheaterprojekt des Musiktheater LUPE in Zusammenarbeit mit der Gedenkstätte Augustaschacht

„Der Zug“ als Transportmittel spielte eine große Rolle bei der Verschleppung von Millionen von Menschen durch die Nazis und ist so zu einem der markantesten Symbole für die Verbrechen gegen die Menschheit geworden.
„Der Zug“ ist aber auch ein Symbol für Bewegung, für das unaufhaltsame Voranschreiten in Raum und Zeit, die Suche nach einem Ziel.
„Der Zug“ ist ein Theaterprojekt von 25 Jugendlichen in der Gedenkstätte Augustaschacht, einem ehemaligen Arbeitserziehungslager.

Im Auftrag des Büros für Friedenskultur, Osnabrück entstand „Der Zug“ im Herbst 2009 im Rahmen des Jugendprojektes „Stark gegen rechts“.
Die Recherche erfolgte in Zusammenarbeit mit dem Leiter der Gedenkstätte, Dr. Michael Gander.
Teilnehmer und gleichzeitig Spieler der Produktion waren Jugendliche von 14 – 19 Jahren verschiedener Schultypen.
Die zwei Vorbereitungstreffen beinhalteten eine Führung durch den Augustaschacht, eine Informationsveranstaltung zu der Geschichte, Einführung in die Theaterarbeit und die gemeinsame Entwicklung von Ideen und Schwerpunkten für das Theaterstück.
In den Herbstferien wurde eine Woche lang im Augustaschacht geprobt, geschrieben, komponiert und inszeniert.
Die öffentliche Premiere am 8.November 2009 war ein voller Erfolg, sodass wegen Ausverkaufs am gleichen Tag noch spontan eine zweite Aufführung angesetzt wurde.
Im Anschluss gab es 4 Schulaufführungen für Schüler und Schülerinnen ab den 8. Klassen. Alle Aufführungen fanden vor ausverkauftem Saal statt!
Der Erfolg und die Nachfrage nach weiteren Aufführungen waren so groß, dass mit Leichtigkeit noch weitere Veranstaltungen hätten stattfinden können, wenn die Spieler schulisch weniger eingebunden gewesen wären.
Wegen des großen Interesses besteht die Möglichkeit, das Stück zu einem späteren Zeitpunkt wieder aufzunehmen und in neuer Besetzung aufzuführen.

Im Anschluss an diesen Erfolg fuhr eine Gruppe auf Einladung zu einer Jubiläumsfeier der Gedenkstätten in Niedersachsen in den Landtag, um dort einen Ausschnitt aus „Der Zug“ zu spielen. Auch dieser Auftritt fand großen Zuspruch, was durch spontane Anfragen z.B. aus der Gedenkstätte Bergen-Belsen deutlich wurde.

Inhalt

Der Zug ist ein Musiktheaterprojekt, das von dem Thema Nationalsozialismus und Verschleppung von Menschen zur Zeit des Zweiten Weltkrieges in Deutschland erzählt.
Die Geschichte, die entwickelt wurde, ist erdacht, könnte aber nach sorgfältiger Recherche genauso stattgefunden haben.

Hermann, der zur Zeit des Nationalsozialismus ein Jugendlicher war, trifft auf dem Bahnhof seine von den Deutschen auf den Bauernhof seiner Eltern verschleppte, große Jugendliebe, Elena. Als Fremdarbeiterin aus der Ukraine musste sie während des zweiten Weltkrieges zuerst auf dem Hof und später aufgrund einer Denunzierung in den Klöcknerwerken in Georgsmarienhütte arbeiten. Ihr kleiner Bruder kam wahrscheinlich in der Nähe im Arbeitzuchtlager Ohrbeck ums Leben.

Ort des Geschehens ist ein Bahnhof – in diesem Fall in Osnabrück. Elena hat eine ganz andere Erinnerung an die Zeit in Deutschland und erzählt Hermann im Bahnhofscafe davon. Ihre Erzählung wird immer wieder von einem absurden „Bahnhofsquiz“ unterbrochen, der mit harmlosen Fragen beginnend zunehmend soziales Verhalten und Toleranz thematisiert und schließlich Fakten über den Augustaschacht abfragt. Die Geschichte von Elena und Hermann und der verharmlosende Umgang mit Fakten aus dem Lager innerhalb des Quiz verdichten sich, bis die Situation eskaliert.

Mit bewegenden Bildern, berührender Live-Musik und Gesang, absurden Momenten und kleinen schauspielerischen Szenen wird diese Geschichte erzählt.

Diese Inszenierung kann auch an anderen Orten, die mit dem Thema „Fremdarbeiter während des Nationalsozialismus“ in Zusammenhang stehen mit anderen Jugendlichen statt finden. Dafür ist eine erneute Recherche und Organisation notwendig! Die teilnehmenden Jugendlichen sollten mindestens 14 Jahre alt sein!
Im Anschluss an die Aufführungen bestand die Möglichkeit für Publikumsgespräche, die durch die Teilnahme von Jugendlichen und Senioren, die während des zweiten Weltkrieges lebten, sehr eindrucksvoll verliefen.