Verrückte Kuh im Gesellschaftshaus

„ Krähe Rosemarie Federzupf steckt in der Klemme: ihre Brille ist von der Wolke auf die Erde gefallen und sie braucht jetzt ganz dringend die Hilfe der Kinder aus dem Publikum. Drei Schritte vor, dann zwei zur Seite…(einen großen Schritt nach vorne schreite.) und dann einen großen Schritt zur Wolke – und schon hat ein blondes Mädchen aus der vorderen Reihe das Problem gelöst. Rosemarie kann aufatmen und sich weiter um ihr Sorgenkind Mama Muh kümmern.
Mama Muh, das ist die eigenwillige Kuh aus den Kinderbüchern von Jujja Wieslander und Sven Nordquist, die sich neugierig an Kuh-untypische Aktivitäten wie Fahrradfahren oder Schaukeln heranwagt und dabei von ihrer Krähenfreundin mehr oder weniger freiwillig unterstützt wird. Diesem tierischen Gespann ist das musikalische Theaterstück des Musiktheaters Lupe mit den Texten von Katrin Orth und Kompositionen von Ralf Siebenand gewidmet, das nun im Piesberger Gesellschaftshaus seine Premiere erlebte.
Unter der Regie von Rike Radloff gab Darstellerin Katrin Orth 50 Minuten lang durch Spiel, Tanz und Gesang Einblicke in das nicht ganz einfache Leben einer wahrhaft beschützenden Freundin, die die abenteuerlustige Kuh Mama Muh vor Schlammkuhle und Traktor retten muss, um sie noch am selben Tag mitsamt Fallschirm aus einem Baum zu pflücken. Das verlangte der Schauspielerin Orth einiges an Rede- und Darstellungskunst ab, da sie neben der Krähe Rosemarie Federzupf im entsprechenden Kostüm auch Mama Muh mit tiefer langsamerer Stimme sprach. Schön, das mit wenigen Mitteln liebevoll gestaltete Bühnenbild mit Wolke (oder Riesenzahn? ….oder Himmelsbalkon?), Telefon, kuhgemustertem Aktenordner und Schreibtisch, an dem die quirlige Krähe Schreibarbeiten erledigen muss. Kakaopausen und Nickerchen sind ihr da eine willkommene Ablenkung.
Mit Gelächter quittieren da die Kinder Wiederholungen einzelner Wörter und Floskeln wie „Zupf mich an der Feder!“, ebenso wie die Slapstick- Einlage der Krähe, die auf dem Weg zum klingelnden Telefon permanent den umständlichen Weg zum Schreibtisch wählt. Diese Krähe hat Hilfe wirklich ebenso nötig, wie praktische Lebensberatung: Als sie am Ende des kurzweiligen Stücks von Mama Muh ins Baumhaus eingeladen wird und wegen ihrer Arbeit noch zögert, nimmt sie dankbar den Ratschlag eines Kindes an: „Geh doch einfach nicht zur Arbeit!“ Das Leben kann so einfach sein!

Neue Osnabrücker Zeitung, Mai 2009